1912 - 1955  Ära Carl und Anna Waldhecker

Goldenen Zwanziger Jahre

 

Kolonialwarenhandel - Bäckerei - Gastwirtschaft

In gemeinsamer Regie führten sie ab 1912  den Familienbetrieb Alter Krug erfolgreich durch die Kriegswirren des ersten und zweiten Weltkrieges bis 1955.

  • Carl Waldhecker, geb. 25.08.1886

         erlernte die Backkunst beim Conditormeister Carl Henning in Lage.

  • Ehefrau Anna Waldhecker, geb. 09.03.1889

         erlernte die gehobene  Küche als Hauswirtschafterin in einer Schlossküche in Westfalen

         und im Hotel Kaiserhof in Bielefeld.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

23. Februar 1913

Handgeschriebene Rechnung

von Carl Waldhecker für Lieferungen von Backwaren, Brode, Brödchen, Kaffee und mehr, vor allem Spirituosen und Bier. Interessant zu lesen sind die damaligen Preise.

 

Gartenwirtschaft Alter Krug

 

 

 

 

2. Pfingsttag 1913

Instrumental-Konzert im Alten Krug

Anlässlich dieser Großveranstaltung wurden

im Alten Krug rund 500 Plätze im Haus

und 500 Plätze im Außenbereich bereitgestellt.

In großen Scharen strömten die Menschen

vom Bahnhof Helpup in Richtung Alter Krug,

um an diesem einmaligen Pfingstkonzert teilzunehmen.

Zeitzeugin Anna Waldhecker sowie Tante Anna vom Räkerhof (Schwester von Carl Waldhecker) erzählten Anfang der 1970er Jahre des Öfteren noch mit großer Begeisterung über dieses Großereignis.

 

Geltentwertung von 1918 - 1923 / Hyperinflationsjahr 1923

 

Reichsbanknote vom 15. Oktober 1923

 

 

Goldenen Zwanziger Jahre 1924 bis 1929

  • Weltweiter Wirtschaftsaufschwung in allen Lebensbereichen

Der weltweite Wirtschaftsaufschwung in den 1920er Jahren machte sich nach den krisengeschüttelten Jahren davor auch in  Helpup bemerkbar.

 

 

 

 

Neues Ortsbild Helpup

Insbesondere in den Jahren  1926 bis 1929 veränderte sich das Ortsbild Helpup durch zahlreiche Neubauten entlang der Dorfstraße.

 

Carl und Anna Waldhecker

bauten die Gastwirtschaft und Kolonialwarenhandlung  1926 und 1927 umfangreich um.

Die Diele mit Pferdeställen, Teile des Bodens im Fachwerkbau wurden umgebaut wie wir es heute unverändert vorfinden.

Der Torbogen

erinnert mit seiner Inschrift noch an die vergangenen Zeiten.

 

Karl Waldhecker als 15-jähriger vor seinem Elternhaus

Das Bild hängt für Jedermann sichtbar auf dem Flur in der Traditionsstätte Alter Krug.

Wilhelm Rüter als ältester Zeitzeuge erinnerte sich 1990 auf der Jubiläumsfeier "350 Jahre  Name Helpup"

noch sehr gut an die Entstehung des Bildes.

 

 

1929 bis 1938 Wohnhaus mit Backstube und Laden Währentrup Nr. 103

 

Carl Waldhecker (li.) , Sohn Karl Waldhecker (re.)

 

Carl Waldhecker baute 1929

ein Wohnhaus mit Backstube und Laden  direkt neben dem Kruggarten.

Im Laden wurde das in der Backstube frisch gebackene Brot sowie Kuchen, insbesondere Torten, verkauft.

Zahlreiche Familienbilder aus den 1930er Jahren sind noch vorhanden.

Das Haus und das ca. 900 Quadratmeter große Grundstück wurde 1938 in Absprache mit der Reichsumsiedlungsgesellschaft in Schlangen

an Frau Poppe in Haustenbeck verkauft.

 

 

 

1. September 1934

Unterstützung durch Sohn Karl (links)

Große Freude herrscht  im  engsten Kreis der Familie

über den Einstieg von Sohn Karl in das elterliche  Gastronomiegeschäft nach gründlicher Ausbildung in den Jahren 1933 und 1934 im

Restaurant Brauer=Gildehaus in Hannover.

Fünf Jahre Familienleben - Freude auf Borkum und Norderney in der 30er Jahren.

Mit Beginn der Soldatenzeit am 6. Februar 1939 und  Kriegszeit endete für Karl Waldhecker für 15 Jahre eine bis dahin schöne und unbeschwerte Zeit.

Nach der Entlassung am 6.11.1949 aus fünfjähriger russischer Kriegesgefangenschaft in Sibirien musste  Karl Waldhecker wegen einer schweren Hungerdystrophie  mit ausgedehnten Oedemen monatelang ärztlich behandelt werden. Der Krankheitszustand verbunden mit starker Erschöpfung, war derart schwer, daß  Sohn Karl  etwa ein Jahr nicht in der Lage war, nennenswerte  Arbeit zu verrichten. Ein normaler Arbeitseinsatz im Gastronomiebetrieb Alter Krug war erst ab 1955 möglich.

 

Zeitzeugen berichten aus den 1920er / 1930er Jahren

Anna Waldhecker, Wilhelm Rüter, August Unterkötter, Anna Räker, Heinrich Erfkamp, um nur einige zu nennen, erzählten in den 1970er Jahren des Öfteren immer wieder begeistert von Erlebnissen aus dieser Zeit.

Vor allem wenn besondere Gäste auf ihrer Anreise vom Bahnhof Helpup zum Gut Wistinghausen mit Kutschwagen abgeholt wurden und zunächst im Alten Krug einkehrten. Ebenso über Kutscher mit Pferdefuhrwerken bei Anlieferung der Ware  für die Kolonialwarenhandlung und nicht zuletzt über die motorisierte Fortbewegung als Neuheit in der damaligen Zeit.

 

 

Eines der ersten Autos vor dem Alten Krug

wurde von Erich Dürkop gesteuert.

 

 

 

 

 

Motorräder

waren in dieser Epoche

schon des  Öfteren in Helpup zu sehen

 

Kolonialwarenhandlung - Laden - Alter Krug

Der gegenüber der Gaststube bereits vor dem Umbau vorhandene  Laden für die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und anderen Gebrauchsgütern des täglichen Bedarfs im Haushalt

wurde von Anna Waldhecker  in alter Tradition bis in die 1950er Jahre weitergeführt. Daher trägt dieser Raum bis in die heutige Zeit den Namen "Laden".

Zucker, Mehl, Salz, Milch und mehr wurde als lose Ware verkauft. Die Kunden brachten Behälter, Töpfe usw. von  zu Hause mit. Die Verkaufstheke mit zahlreichen Schubfächern ist noch vorhanden.

 

Die Lampe für die Außenbeleutung über dem Eingang ist bis in die heutige Zeit bei Bedarf noch in Betrieb.

 

 

Täglich frische Milch

Milchhändler Kessemeier lieferte täglich frische Milch in großen Kannen

von Gut Wistinghausen an.

Das Gespann hielt sogar ganz von alleine am Alten Krug an.

 

 

 

 

Milchhändler Kessemeier

Bis  in die 1960er Jahre lieferte Milchhändler Kessemeier

täglich frische Milch in den Alten Krug.

Während die Pferde draußen warteten  konnte Milchhändler Kessenmeier  in Ruhe ein frisch gezapftes Bier genießen.

 

Amtssparkasse Oerlinghausen - Gemeindebüro Währentrup

Im hinteren Teil des heutigen Restaurants war nach dem Umbau bis nach dem 2. Weltkrieg die Amtssparkasse Oerlinghausen untergebracht.

Ebenso hatte Albrecht Ober, Amtsvorsteher und Bürgemeister von Währentrup hier sein Büro.

 

Helpuper Schützenfeste

  • Gesellschaftsleben in Helpup

In den 1920er / 1930er Jahren wurde das Gesellschaftsleben in Helpup unter anderem stark

vom Schützenverein Helpup geprägt.

 

Gefeiert wurde im Saal, auf der Straße, im Garten und in der Kellerbar.

Zeitzeuge Maurermeister August Unterkötter als ehemaliger Schützenkönig und Zeitzeuge Wilhelm Rüter haben noch in den 1970er Jahren mit großer Begeisterung über mehrere Schützenfeste im Alten Krug berichtet.

Zum Ausschießen des Königs diente ein kleiner Schießstand am nordwestlichen Teil des Kruggartens.

Der Schießstand wurde Anfang der 1950er Jahre abgerissen.

 

 

 

 

 

 

Schützen im Anmarsch

Festumzug Schützenverein Helpup

 

 

 

Festwirt Carl Waldhecker

präsentiert sich mit seiner Mannschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

1938

Nach 30 Jahren Schützenverein Helpup

wurde in Zelten am Bahnhof

bei Rudolf Waldhecker 

am 9. und 10. Juli 1938

das letzte Schützenfest  in Helpup gefeiert.

 

Bildimpressionen Schützenverein Helpup

 

Freibad "Vogel-Sang" am Haferbach

  • Frühjahr 1932

Maurermeister Heinrich Unterkötter baute im Frühjahr 1932 am Haferbach mit Hilfe von Mitgliedern des Helpuper Turnvereins und weiteren Mithelfern aus der Umgebung die Badeanstalt "Vogel-Sang".

Tochter Bertha Unterkötter wurde Bademeisterin.

 

Für Carl Waldhecker (schwarzer Badeanzug) war der fast tägliche Besuch im Sommer ein Genuss.

 

 

 

1932 Einweihung

Zur Freude vieler Bürger und Bürgerinnen aus dem Gebiet Helpup,

vor allem Kinder, wurde das Freibad

1932 eingeweiht.

 

 

Schließung des Freibades

"Vogel-Sang"

in den 1950er Jahren

Viele Zeitzeugen berichten begeistert

von ihrem ersten Besuch 

und von Erlebnissen in dem nicht

immer sauberen Wasser auf schlammigen Untergrund.

Die Wasserqualität führte dann zur Schließung des Freibades.

 

Zeit des Nationalsozialismus

 

1933 bis 1945

Ausser Aussagen von Zeitzeugen liegen dem Verfasser dieser Website keine Aufzeichnungen aus der Zeit des Nationalsozialismus über Veranstaltungen und Ereignisse in Helpup vor. Anna Waldhecker berichtete noch in den 1970er Jahren als Zeitzeugin über persönliche Erlebnisse mit einer jüdischen Familie aus Biefeld und Nazigrößen des Ortes.  Viele  Unterlagen sind  beim Einzug Amerikanischer Truppen abhandengekommen.

 

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© August Rettig