Entwicklung Krugwirtschaft 1602 bis 1878

 

  • 7. September 1602 - Schlägereien im "Krug zum Vogelsange"

Wörtlich heißt es im Vogerichtsprotokoll der Vogtei Orlinchusen:

"Vogden Oerlinchusen Wroge des 7. Septembris 1602. Daß sich auch im Kroge zum Vogelsange eine Schlägerei zwischen  dem jungen Möller zum Vogelsange, M. zum Krahwinkel, Johann undt sunste zugedragen , alß dass gemelter Rickehoff von dem  jungen Möller mit einer Feuerchuten ins Haubt blutig verwundet worden".

  • 1610 - Bildung der Bauerschaftsgrenzen

Deshalb erscheint der Krug ab 1613 als in der Bauerschaft Währentrup gelegen. Diese Bauerschaft hieß vor 1613

Oetinckhusen.

Bestand hatte diese Gebietsreform bis zur Gemeindebildung Helpup am 1. April 1957.

  • 1630 - Krug uff der Osterheide

Um 1630 hieß die Krugwirtschaft "Krug uff der Osterheide" da der Besitzer, namentlich als

"Krüger zum Vogelsange" bekannt, nicht mehr im Vogelsange lebte sondern uff der Osterheide.

Der Krüger zum Vogelsange hatte neben seinem Kruge auch Landwirtschaft. Mit seinen Pferden leistete er den Fuhrleuten Vorspanndienste.

Der Weg war steil, ausgefahren und steinig. Die Pferde hatten Mühe die Wagen bis zum "Krug uff der Osterheide" zu ziehen. Für die Weiterfahrt riefen die Fuhrleute den Krüger zum Vogelsange mit seinen Pferden mit dem Ruf "Help-up"herbei. Der Krüger spannte dann seine Pferde mit vor die Wagen, und es ging leichter den Berg hinauf. Im Laufe der Zeit bürgerte sich der Ruf "Help-up" so ein, dass der Krüger nur noch so begrüßt und angesprochen wurde.

Im Mittelalter wurden Familiennamen in der ländlichen Bevölkerung vielfach vom Volksmund aus dem örtlichen Flurnamen und dem Beruf der Person zusammengesetzt, wohl um Verwechselungen der Namen vorzubeugen.

  • Um 1640 - Wegeverhältniss bei den Krügen

Tagebucheintrag über die Reiseeindrücke in einer Postkutsche von Lage nach Oerlinghausen.

Verfasser Rektor i.R. Herm. Diekmann, Oerlinghausen.

Hermann Diekmann fand unter anderem das für Lippe einzigartige Hügelgrab im Jahr 1938 in Oerlinghausen und grub es 1939 aus.

Station "Krug zum Brinke" (Brinkkrug / Lage)

"Es war schon dunkel, als wir von Lage kommend, den "Krug zum Brinke" erreichten.

 Ich weiss nicht, wie die Leute  diese mit grossen, rohen Feldsteinen überschütteten Wege Chausseen nennen konnten. Ich weiss auch nicht, wie ich es anfangen soll, die tragikomischen Mühseligkeiten meiner Reise zu beschreiben. Wir kamen also im Kruge  auf dem Brinke  an. Schlimm war es bestellt um die Nachtquartiere. Zum Abendessen sassen wir in verräucherten Stuben , die Wohnzimmer und Küche zugleich waren. Die Bauern qualmten ihren Kanaster, und der Rauch des Herdfeuers reizte unsere Augen. Die Nacht war angstvoll. Fortwährend lauschte ich auf das Geraschelder Mäuse. Frühe erhoben wir uns wieder aus den Betten. Ausgeruht hatten wur uns kaum. Nachdem wir den Morgenimbisss eingenommen und unsere Schulden beglichen hatten, bestiegen wir unsere Kutsche mit gemischten Gefühlen.

Station "Krug H e l p u p"

Das Gerumpel  auf der Strasse war kaum auszuhalten. Der Kutscher versuchte, auf den neben der Strasse herlaufenden Sommerwegen zu fahren, versank aber mit den Rädern bis über die Achsen im Schlamm. Wir holten Bauern zur Hilfe. Mit langen Hebebäumen hoben sie den Wagen aus den grundlosen Löchern. Wir durchfuhren einen kleine Wald . In der Senke wären eir beinahe stekkengeblieben (Vor Kachtenhausen, der Verf). Dann gings steil hinauf. Wieder  fuhren wir über hingeworfene Feldsteine. Ein neuer Krug war in Sicht "H e l p u p" genannt.

Ein Schild  deutet daraufhin, dass hier Vorspann geleistet wurde. Gott sei tausendmal Dank, dachte ich. Wir liesen

uns das zweite Frühstück geben und erkundigten uns nach den Wegeverhältnissen. Mit krauser Stirne erzählte uns der Wirt, dass die Wege nun noch mühevoller würden, doch wolle er Vorspann leisten. Das waren ja nette Aussichten! Die Stube war, wie auf dem Brinke, mit stickigem Tabakdampf angefüllt. Dichtgedrängt sassen die Bauern hinter ihren Masskrügen und erzählten sich Dönkes. -Der Wirt trat ein und meldete, dass Vorspann geleistet und wir unsere Fahrt fortsetzen könnten.

Weiterfahrt nach Oerlinchhusen

Wir fuhren über Feldwege, zwischen hohen Hecken hindurch , wohl eine Viertelmeile. Dann gings der Berg hinan. Die Peitschen knallten. Wir gelangten in einen tiefen Hohlweg, Dieser war so ausgefahren, dass unsere Kutsche darin verschwand, so hoch türmten sich nach beiden Seiten die Böschungen auf. Diese waren mit allerlei Buschwerk bewachsen. Der Vorreiter schlug mit der Rute auf die beiden Braunen und fluchte, die Rosse dampften vor Schweiss und zitterten, ihre Sehnen spannten sich, und ihre Hufe fanden schlechten Widerstand  in dem gleitenden Geröll. Schliesslich waren wir auf der ersten Höhe angelangt.

Ein prachtvoller Fernblick bot sich unsern Augen. Nach Norden konnte unser Auge schweifen bis zum Wesergebirge. Zwischen diesem und unserer Höhe breiteten sich die fruchtbaren Gefilde der Grafschaft Lippe mit den vielen Einzelgehöften aus, herrlicher Anblick!"

Soweit die Reiseeindrücke.

Der genannte Hohlweg liegt westlich der heutigen "Bergstrasse" (Bereich Tankstelle Siekmann).

 

  • 1640 - Name "Helpup" erstmals urkundlich erwähnt!

 

Name Krug Helpup  Besitzer Johan Helpup

Ab 1640 treffen wir auf die Bezeichnung "Krug Helpup"

mit dem Besitzer Johan Helpup, der erstmalig im Vogerichtsregister von 1640 im Zusammenhang mit einer Schlägerei genann t wird.

[Staatsarchiv Detmold L 89 A Nr. 5]

Dieses Schriftstück samt Übersetzung hängt für jedermann sichtbar im Flur in der  Traditionsstätte "Alter Krug".

Bewältigung von Krisen in der Grafschaft Lippe

 

  • 1642 - Krüger von allen Lasten an die Landesherrschaft befreit

Auswirkungen Dreissigjähriger Krieg 1618 - 1648.

Wie alle Bewohner des Landes haben die Besitzer des Kruges im 30-jährigen Krieg von 1618 - 1648 schlimme Zeiten erlebt und großen Schaden erlitten. Wie überall im Lande wurde auch hier geraubt und geplündert.

Als 1637 die "Krögersche uff der Osterheide" starb, heißt es in einem alten Erbteilungsverzeichnis:

"Hat nichts nachgelassen"

Angeblich versteckte bzw. vergrabene Schätze wurden nie gefunden. Deshalb war der Krug auch von der Landesherrschaft von allen Lasten befreit. 1642 heißt es vom Krüger:

"Frey, gibt keine Schätze, thut auch keine Dienste, nur jährlich einen Krugthaler."

  • 1664 - Lippische Kirchenordnung

Alle Anordnungen der Gräflichen Regierung, die Trunksucht zu unterlassen, scheinen  nicht den gewünschten Erfolg gehabt zu haben, so dass sich auch die Kirche einschaltet:

"So wird ernstlich verboten, alles Schwelgen, Fressen und Saufen, darinne ein heilloses Wesen und garstiges Sauleben ist, wodurch dem unreinen Geist Raum gemacht wird, daselbst zu wohnen und sein Werk zu haben, auch alle Unkeuschheit und fleischliche Unzucht, Hurerei, Ehebruch und dergleichen Schanden, wodurch das Land mit unehelichen Kindern angefüllt wird."

  • 1668 - Gesuch an den regierenden Grafen Simon Heinrich

Die Bürgermeister der Städte traten mit der Bitte, die alten Privilegien erneuern zu wollen, an den regierenden Grafen Simon Hei´nrich heran, welcher dem entgegen kam und die alten Privilegien auf

45 Jahre  festsetzte.

Diese Privilegien waren insbesondere zum Vorteil der Städte ausgelegt und zumNachteil der Schmiede, Bäcker, Schlächter, Schuster auf dem Lande. Der Schuster auf dem Lande durfte nur noch Schuhflickerei betreiben.

Des Weiteren durfet nur noch in den Städten Bier gebraut werden. Damit durfte auch der Krug zu Helpup diese 45 Jahre nicht mehr brauen.

In den Städten des Landes kostete ein Mass Bier (das war etwa 1 Liter) 4 Pfennig un d auf dem Lande wegen des Transportes 5 Pfennig.

  • 1702 - Zugriff  Meier zu Barkhausen auf Abgaben

Die Kammergewerbeakten vom 15. Februar 1702 enthalten die Nachricht dass Johann Heinrich Helpup als Stiefvater des Anerben die Regierung bittet, ihren alten, freien Krug, bei der gegenwärtigen schlechten Nahrung, da nur dann und wann Reisende etwas Bier ausgeschenkt wird, gegen die Zugriffe des Meiers zu Barkhausen, der dem Krug eine Last von zwei Thalern wegen Branntweinzapfens auferlegen will, in Schutz zu nehmen.

Der Zugriff blieb ohne Erfolg!

 

  • 1756 bis  1763  - Siebenjähriger Krieg

Besonders schlimme Zeit musste der Krüger wie schon über ein Jahrhundert vorher, während des 7-jährigen Krieges von 1756 bis 1763 durchmachen. Die Bauern und der Krüger mussten Fuhren leisten, Pferde abliefern, Knechte bereitstellen, Nahrungsmittel abliefern, Vieh zum Abschlachten bereithalten und manche Plünderungen und Drangsalierungen erleiden.

Fremde "Soldateska"

haben während des 7-jährigen Krieges auf der Deele getobt und die Vogerichtsakten berichten immer wieder von derben Feiern und von Schlägereien.

 

 

 

Das Foto zeigt die Karte vom 7-jährigen Krieg nach einer Photografie

von Schulleiter Hermann Diekmann.

Die Originalkarten

befinden sich im Landesarchiv Detmold.

1762 - Kolorierte Landkarte der Grafschaft Lippe

 

Nachkriegswirren

Durch die Wirren des Siebenjährigen Krieges kam es bei vielen Bürgern des Landes, ähnlich wie im Zeitraum des Dreißigjährigen Krieges, zum Verfall von Sittlichkeit und Moral, in erster Linie durch Vollsäuferei und Unzucht.

  • 17. März 1767

Um diesem verderblichen ungeheuren Übel und Unwesen entgegenzuwirken, wurde am 17. März 1767 eine "Verordnung wegen der Vollsäuferei" erlassen und drastische Strafen angedroht.

Wer diese Ermahnungen missachtete, sollte als Verschärfung

"bei Wasser und Brod" ins Gefängnis gesteckt und

"bei noch nicht verspürter Besserung auf einem Sonntag an den Pfahl" gestellt werden. Wenn auch

"dieses nicht fruchten will" so galt es,

"selbiger samt einem umständlichen Bericht zum Zuchthaus einzuschikken".

Bei vielen Bürgern schien die

"Liebe zum Alkohol stärker gewesen sein als die Furcht vor Bestrafung", wie es in Überlieferungen zu lesen ist.

 

Kartenausschnitt Gebiet Helpup

  • 1789

Ende der Herrschaft und Grafschaft Lippe

Weiterführung der Landesherrschaft bis 1918 als Fürstentum Lippe

 

 

 Bessere Zeiten - Neuer Schwung

  • Abgaben an die Regierung

Die Freiheit von allen möglichen Lasten, mit denen damals so viele Städte belegt waren, hat natürlich für den Krüger nicht immer bestanden. Ab Mitte des 18. Jahrunderts erhob die Regierung von dem Bier- und Branntweinausschank eine jährliche Steuer von 7 Thalern, die 1789 auf 10 Thaler erhöht wurde. 1864 wurden dies 10 Thaler-Gold in 11 Thaler Courant umgerechnet.

  • Saalbuch von 1780

Besitztum Nr. 10 des Krügers Helpup

Dem Krüger ging es langsam wieder besser. Das "Saalbuch von 1780" besagt über das Besitztum Nr. 10 des Krügers Helpup:

Nr. 10 Helpup besitzt:

1. Gebäude: ein Wohnhaus, eine Leibzucht / Hofraum und Hude

2. Gärten: auf dem Kampe an der Westerheide

3. Ländereien: einen Kamp in der Westerheide, auf dem Stukenlande, auf dem  mittelsten Stukenlande, auf dem Kortenlande, in der Osterheide, ein Teil eines Weges

4. Wiesen: im Kampe, in der Osterheide

5. Eine erbliche Kruggerechtigkeit

6. "Prästiert" (hat Abgaben zu entrichten)

der Landesherrschaft: den Petrischatz 13 Sgr. 7 Pfg. und 1 Krugthaler für die Kruggerechtigkeit im Brauen und Brennen und solches im Haus zu versellen. Dem Küster die Pflicht ...

Zu allen Besitzungen liegen noch die genauen Flächenmaße vor

 

 

 

 

 

Stammhaus Krug Helpup

Bauerschaft Währentrup Nr. 10

 

  • 1829 / 1830

Entstehung Fachwerkbau Alter Krug Bauerschaft Währentrup Nr. 10

Kruggerechtigkeit - Alter Krug

Mit dem Privileg "Kruggerechtigkeit" wurde die Grundlage für die zukünftige "Krugwirtschaft" geschaffen.

Auf dem Besitztum "Währentrup Nr. 10" wurde in den Jahren 1829 / 1830 der heutige Fachwerkbau "Alter Krug"

gebaut, ein Fachwerk unter einem Krüppelwalmdach mit zwei Dielentore. Auf der Diele wurde durch die Luke Heu und Stroh auf den Dachboden gereicht.

Kaufleute und Handwerker  konnten auf der Diele mit Pferdestall ihre Pferde und Ware unterbringen.

Der Handelsbetrieb Gebrüder Pauly  aus Bad Driburg  belieferte den Alten Krug über Jahrzehnte  mit Glas-, Porzellan und Haushaltswaren. Mehrmals im Jahr übernachtete Herr Pauly mit seinem Pferdegespann im Krug.

In den 1970er Jahren berichtete Herr Pauly noch mit großer Begeisterung darüber.  Wie in den Jahren zuvor hatte er sein eigenes Butteerbrot dabei.

 

 

Dielentür - Torbogen

Der Torbogen wurde mit kunstvollem Schnitzwerk eine Zierde des Hauses und ein Prüfstein für handwerkliches Können. Der geschnitzte Drachen/Drachenkopf  ist  Schatzhüter und Symbol für Bewahrung des Hauses gegen Feind und allerei Ungemach. Rose und Stern ist ein Bekenntnis als Wappenzeichen für den Landesherren.

 

Im Torbogen stehen die Worte:

ANNO 1829 LIESSEN DIESEN BAU ANFANGEN:

FRIEDRICH AUGUST HELPUP UND HANIA ALTHOFS AUS KACHTENHAUSEN

DURCH BEIDE IM JAHRE 1830 FORTGESETZT BIS ZUM 3 TEN JULI -

WO DER TOD SIE TRENNTE:

BEENDIGET  AM 3 TEN AUGUST DURCH DEN ZURÜCKGEBLIEBENEN WITWER:

"DIE WEGE DES HERRN SIND WUNDERBARLICH  ICH HOFFE -

ER FÜHRT ES ZUM BESTEN HINAUS"

M.S.M. STRATE

 

 

1878 - Generationswechsel

Karl August Helpup - Franz Hermann Waldhecker 

Der Sohn des Erbauers, der Wirt Karl August Helpup, ist noch im alten Haus am 8. Oktober 1821 geboren.

Er war der letzte Wirt mit dem Namen Helpup. Seine Tochter Juliane Emilie Helpup heiratete 1878

Franz Hermann Waldhecker aus Patthorst bei Halle.

  • Die Brüder von Emilie Helpupu, Albrecht Helpup und Gustav Helpup

zogen das Studium vor und kamen daher für die Nachfolge im elterlichen Kruge nicht in Betracht.

Dr. med. Albrecht Helpup ließ sich als Augenarzt in Bielefeld nieder. Gustav Helpup zeichnete und musizierte

und unterrichtete eine Zeitlang an der "Rectorschule" in Oerlinghausen.

Aus seiner Hand stammt auch das erste von Oerlinghausen herausgebrachte Werbeblatt im Jahr 1895.

Ferner schrieb Gustav Helpup 1906 zur Grundsteinlegung der Kirche zu Helpup ein Gedicht.

Der Text liegt noch vor.

 

Der Name Helpup war im Laufe der Jahrhunderte in Lippe stark verbreitet.

Den Familiennamen Helpup gibt es heute noch

unter anderem in Barntrup-Sommersell.

 

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© August Rettig