Eine Familie schreibt Geschichte Ursprung Krug Helpup
Eine Familie schreibt GeschichteUrsprung Krug Helpup            

Leben - Arbeiten - Handel

Zeitalter 11. bis Ende 18. Jahrhundert

Entwicklungen

im Kulturraum Helpup in der Grafschaft Lippe

 

11. Jahrhundert

Die Wistinghauser Schlucht und Gut Barchusen waren im 11. Jahrhundert ein wichtiger Übergang für Fuhrleute und Wanderer aus dem Gebiet Schloss Iggenhausen aus nördlicher Richtung zu den Übergängen des Teutoburger Waldes  in der "Wistinghauser Schlucht" und dem "Oerlinghauser Paß" Barchusen. Diese Wege bildeten die früher wichtige Verbindung der Grafschaft Lippe mit der Grafschaft Rietberg, mit Soest, Dortmund und Münster und den holländischen Besitzungen der Grafen zur Lippe.

Gut Barchusen (Barkhausen) wird urkundlich erstmals 1036 auf dem Bischofsgebiet  Bistum Paderborn erwähnt. Unter anderem auch die erste urkundliche  Erwähnung von Orlinchusen (Oerlinghausen).

Schloss Iggenhausen ist eines der ältesten Herrenhäuser in Lippe und wird 1070 als Grundherrschaft des Klosters Corvey erstmals urkundlich erwähnt.

 

Um 1600

lebten hier nur Bauern mit ihren Köttern denen viel Land zugefallen war.

Die Bauern brachten ihr Mahlgut zum Müller Vogelsange in Wellentrup. Dieser hatte seine Ländereien zum Teil nordwestlich der heutigen Bundesstraße entlang der heutigen Bahnhofstraße liegen, also auch da wo auf der Anhöhe heute noch der Fachwerkbau "Alter Krug" steht. Diese Anhöhe war bereits damals, wie auch heute, eine wichtige Stelle für den Verkehrsfluss in alle vier Himmelsrichtungen.

Protokolle des Detmolder Staatsarchivs

 

24. August 1560

Gräfliches Privileg "Commercien auffm Lande"

Diese Privileg, dass die Kruggerechtsame  und andere Gewerbe regelt, war seit 1490 in Kraft und wurde nach Ablauf von 70 Jahren von Graf Bernhard VIII zu Lippe erneuert. Aus heutiger Sicht waren darin seltsame Anordnungen vorhanden. Zum Beispiel durften sich Schumacher, Schneider und Schmiede nur in Städten niederlassen. Doch auch einigen Dörfern wurde dieses Recht zugestanden, wie Barntrup, Alverdissen, Bega, Sonneborn, Lage, Varenholz und Oerlinghausen. 

Unter anderem heißt es weiter:

"Fortan sol auf den Dörfen und Kirchmessen (Kirmes), Lobenbiern (Richtfesten), Brauwirtschaften (Hochzeiten), Kindtaufen und anderen Zusammenkünften kein fremd Bier getrunken werden, sondern dasselbe aus unseren Städten geholt werden.

Zum letzten sol auch in den Krügen kein fremd Bier zu schenken seyen".

1. März 1596

Möller zum Vogelsange

Ausschank von Bier und Branntwein ohne Genehmigung

Der Müller oder Möller, wie er plattdeutsch genannt wurde , muss ein geschäftstüchtiger Mann gewesen sein. Er sah, wie damals in unserer Gegend in vorhandenen Krügen durch Ausschank von Bier und Branntwein Geld verdient wurde. Für seinen Sohn zweigte er einen Teil seines Besitztums in der Osterheide ab, baute dort einen Hof und schenkte Bier und Branntwein ohne Genehmigung aus. Das brachte ihm eine Strafe von 20 Thalern ein. Für die damalige Zeit war das kein Pappenstiel, kostete doch ein Fohlen 7 Thaler.

Unterm 1. März 1596 wird in den Vogegerichtsprotokollen der Vogtei Orlinchusen erwähnt, dass der Müller vom Vogelsange einen neuen Krug zu verschiedenen Zeiten "angeschlagen" hatte, was ihm bei Strafe von 20 Thalern verboten worden war. Das Urteil des Vogerichts war gnädig, es sagt nur:

"soll Abtrag machen in Gnaden".

Das heißt wohl, dass er die verwirkte Strafe von 20 Thalern in Raten abtragen konnte.

[Staatsarchiv Detmold L 89 A I Nr. 207]

30. Juli 1596

Brief vom "Möller zum Vogelsange" an die Gräfliche Regierung mit der Bitte um Genehmigung einer Krugwirtschaft

In den Akten des Staatsarchiv Detmold  [L92 N Nr. 441] ist der Vermerk enthalten, wonach Kurt Möller zum Vogelsange in der Bauerschaft Wellentrup nun um die Genehmigung nachgesucht hat, einen Krug anzulegen. Es wurde ihm aufgegeben nachzuweisen wo in der Nähe Krüge sein.

"Er begründete seinen Antrag damit, daß die vorhandenen Krüge in Lage (Brinkkrug), in Hiddentorf (Hörste), in Orlinchusen (Oerlinghausen) wohl eine halbe Meile und der Krug in Hillegossen eine ganze Meile von der Osterheide entfernt lägen, und diese Krüge keinen Schaden dadurch haben würden".

[Eine Meile = 7,42 Kilometer]

7. September 1602

Schlägereien im "Krug zum Vogelsange"

Wörtlich heißt es im Vogerichtsprotokolle der Vogtei Orlinchusen:

"Vogden Oerlinchusen Wroge des 7. Septembris 1602. Daß sich auch im Kroge zum Vogelsange eine Schlägerei zwischen dem jungen Möller zum Vogelsange, M. zum Krahwinkel, Johann undt sunste zugedragen, alß dass  gemelter Rickehoff von dem jungen Möller mit einer Feuerschuten ins Haubt blutig verwundet worden".

1610

Bildung der Bauerschaftsgrenzen

Deshalb erscheint der Krug ab 1613 als in der Bauerschaft Währentrup gelegen. Diese  Bauerschaft hieß vor 1613 Oetinckhusen.

Bestand hatte diese Gebietszuordnung bis zur Gemeindebildung Helpup am 1. April 1957.

Um 1630 

hieß der Krug "Uff der Osterheide"

da der Besitzer des Kruges, namentlich als "Krüger zum Vogelsange" bekannt, nicht mehr im Vogelsange lebte sondern "Uff der Osterheide".

Der Krüger zum Vogelsange hatte neben seinem Kruge auch Landwirtschaft. Mit seinen Pferden leistete er den Fuhrleuten Vorspanndienste. Der Weg war steil, ausgefahren und steinig, und die Pferde hatten Mühe, die Wagen bis zum "Krug uff der Osterheide" zu ziehen. Für die Weiterfahrt riefen die Kauffahrer den Krüger zum Vogelsange mit seinen Pferden mit dem Ruf "Help-up" herbei.

Der Krüger spannte dann seine Pferde mit vor die Wagen, und es ging leichter den Berg hinauf. Im Laufe der Zeit bürgerte sich der Ruf "Help-up" so ein, dass der Krüger nur noch so begrüßt und angesprochen wurde.

 

Im Mittelalter wurden Familiennamen in der ländlichen Bevölkerung vielfach vom Volksmund aus dem örtlichen Flurnamen und dem Beruf der Person zusammengesetzt, wohl um Verwechselungen der Namen vorzubeugen.

Ein Ruf wurde zum Namen

 

 

 

Name Helpup

erstmals 1640 urkundlich erwähnt.

 

 

Krug Helpup - Besitzer Johan Helpup

Ab 1640 treffen wir auf die Bezeichnung "Krug Helpup" mit dem Besitzer Johan Helpup, der erstmalig im Vogerichtsregister von 1640 im Zusammenhang mit einer Schlägerei genannt wird.

[Staatsarchiv Detmold L 89 A Nr 5].

Dieses Schriftstück samt Übersetzung hängt im Eingangsbereich des Traditionsgasthauses Alter Krug.

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Bewältigung von Krisen in der Grafschaft Lippe

Unruhige Zeiten im 17. und 18. Jahrhundert

Allgemeine geschichtliche Entwicklungen wie Kriege und deren Auswirkungen spielten auch für die Entwicklung des Kruges eine Rolle. Insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert.

Auszüge aus diversen Dokumenten veranschaulichen die bewegte Geschichte in dieser Zeit in allen umliegenden Gebieten des Landes.

1642 

Von allen Lasten an die Landesherrschaft befreit

Wie alle Bewohner des Landes haben die Besitzer des Kruges im 30-jährigen Krieg von 1618 - 1648 schlimme Zeiten erlebt und großen Schaden erlitten. Wie überall im Lande wurde auch hier geraubt und geplündert. Als 1637 die "Krögersche uff der Osterheide" starb, heißt es in einem alten Erbteilungsverzeichnis:

"Hat nichts nachgelassen."

Angeblich versteckte bzw. vergrabene Schätze wurden nie gefunden.

Deshalb war der Krug auch von der Landesherrschaft von allen Lasten befreit. 1642 heißt es von dem Krüger:

"Frey, gibt keine Schätze, thut auch keine Dienste,

nur jährlich einen Krugthaler."

 

1664

Lippische Kirchenordnung

Alle Anordnungen der Gräflichen Regierung, die Trunksucht zu unterlassen, scheinen nicht den gewünschten Erfolg gehabt zu haben, so dass sich auch die Kirche einschaltet:

"So wird auch ernstlich verboten, alles Schwelgen, Fressen und Saufen, darinne ein heilloses Wesen und garstiges Sauleben ist, wodurch dem unreinen Geist Raum gemacht wird, daselbst zu wohnen und sein Werk zu haben, auch alle Unkeuschheit und fleischliche Unzucht, Hurerei, Ehebruch und dergleichen Schanden, wodurch das Land mit unehelichen Kindern angefüllt wird."

 

1668

Gesuch an den regierenden Grafen Simon Heinrich

Die Bürgermeister der Städte traten mit einer Bitte, die alten Privilegien erneuern zu wollen, an den regierenden Grafen Simon Heinrich heran, welcher dem entgegen kam und die alten Privilegien auf 45 Jahre festsetzte. Diese Privilegien waren insbesondere zum Vorteil der Städte ausgelegt und zum Nachteil unter anderem der Schmiede, Bäcker, Schlächter, Schuster auf dem Lande. Der Schuster auf dem Lande durfte zum Beispiel nur noch Schuhflickerei betreiben. Des Weiteren durfte nur noch in den Städten Bier gebraut werden. Damit durfte auch der Krug zu Helpup für diese 45 Jahre nicht mehr brauen. In den Städten des Landes kostete ein Mass Bier (das war etwa 1 Liter) 4 Pfennig und auf dem Lande wegen des Transportes 5 Pfennig.

 

1702

Zugriff Meier zu Barkhausen ohne Erfolg

Die Kammergewwerbeakten vom 15. Februar 1702 enthalten die Nachricht dass Johann Heinrich Helpup als Stiefvater des Anerben die Regierung bittet, ihren alten, freien Krug, bei der gegenwärtigen schlechten Nahrung, da nur dann und wann für Reisende etwas Bier ausgeschenkt wird, gegen die Zugriffe des Meiers zu Barkhausen, der dem Krug eine Last von zwei Thalern wegen Branntwein-zapfens auferlegen will, in Schutz zu nehmen.

Der versuchte Zugriff blieb jedoch erfolglos.

1756 bis 1763 - Siebenjähriger Krieg

Besonders schlimme Zeit musste der Krüger wie schon über ein Jahrhundert vorher, während des 7-jährigen Krieges von 1756 bis 1763  durchmachen. Die Bauern und der Krüger mussten Fuhren leisten, Pferde abliefern, Knechte bereitstellen, Nahrungsmittel abliefern, Vieh zum Abschlachten bereithalten und manche Plünderungen und Drangsalierungen erleiden.

Fremde "Soldateska"

haben während des 7-jährigen Krieges auf der Deele getobt und die Vogerichtsakten berichten immer wieder von derben Feiern und von Schlägereien.

 

Das Foto zeigt die Karte

vom 7-jährigen Krieg

nach einer Photografie von Schulleiter Hermann Diekmann.

Die Originalkarten befinden sich im Landesarchiv Detmold.

Nachkriegswirren

Durch die Wirren des Siebenjährigen Krieges kam es bei vielen Bürgern des Landes, ähnlich wie im Zeitraum des Dreißigjährigen Krieges, zum Verfall von Sittlichkeit und Moral, in erster Linie durch Vollsäuferei und Unzucht.

 

17. März 1767

Um diesem verderblichen ungeheuren Übel und Unwesen entgegen-zuwirken, wurde am 17. März 1767 eine

"Verordnung wegen der Vollsäuferei"

erlassen und drastische Strafen angedroht.

Wer diese Ermahnungen missachtete, sollte als Verschärfung

"bei Wasser und Brod"

ins Gefängnis gesteckt und

"bei noch nicht verspürter Besserung

auf einen Sonntag an den Pfahl"

gestellt werden. Wenn auch

"dieses nicht fruchten will"

so galt es,

"selbiger samt einem umständlichen Bericht

zum Zuchthaus einzuschikken".

Bei vielen Bürgern schien die

"Liebe zum Alkohol stärker gewesen sein

als die Furcht vor Bestrafung",

wie es in Überlieferungen  zu lesen ist.

1762

Kolorierte Landkarte der Grafschaft Lippe

Helpup, Vogelsang, Wellentrup, Währentrup

sind zum Beispiel auf dieser Landkarte eingetragen.

1789

Ende der Herrschaft und Grafschaft Lippe.

Weiterführung der Landesherrschaft  bis 1918 als

Fürstentum Lippe.

 

Bessere Zeiten - Neuer Schwung

18. und 19. Jahrhundert

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Ein Ruf wurde zum Namen

Helpup

So könnte es seinerzeit ausgesehen haben

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© August Rettig