Rückschau bis 11. Jahrhundert

Entwicklung Krugwirtschaft 1596 bis 1912

  • 11. Jahrhundert

Schloss Iggenhausen

ist als Grundherrschaft des Kloster Corvey eines der ältesten Herrenhäuser.

Erstmals urkundlich erwähnt 1070.

Wistinghauser Schlucht und Gut Barkhausen

waren ab dem 11. Jahrhundert ein wichtiger Übergang für Fuhrleute, Schmuggler und Wanderer aus dem Gebiet Schloss Iggenhausen zu den Übergängen des Teutoburger Waldes in das  Ravensberger Land.

  • 1346 - 1353 Pandemie "Scharzer Tod" / Pest

Der "Schwarze Tod" war die verheerendste Pandemie in der Weltgeschichte mit ca. 25 Millionen Toten

in Europa. Im heutigen Deutschland verlor geschätzt jeder Zehnte sein Leben.

Besonders stark betroffen waren die Städte Hamburg, Köln und Bremen.

Ganze Dörfer wurden zum Beispiel im Gebiet Paderborn ausgelöscht. Genusssucht und Aufschwung veränderten danach im ganzen Land das Kultur- und Wirtschaftsleben.

Herrschaft Lippe

Aus dem Hoheitsgebiet der Edelherren zur Lippe entwickelte sich Lippe

1528 zur Grafschaft

1789 zum Fürstentum

1918 bis 1947 zum Freistaat.

  • 1560

Gräfliches Privileg "Commercien auffm Lande"

Dieses Privileg, das Kruggerechtsame und anderem Gewerbe regelt, war seit 1490 in Kraft und wurde nach Ablauf von 70 Jahren von Graf Bernhard VIII zu Lippe erneuert.

Aus heutiger Sicht waren darin seltsame Anordnungen vorhanden. Zum Beispiel durften sich Schuhmacher, Schneider und Schmiede nur in Städten niederlassen. Doch auch einigen Dörfern wurde dieses Recht zugestanden, wie Barntrup, Alverdissen, Bega, Sonneborn, Lage, Varenholz und Oerlinghausen.

Unter anderem heißt es:

"Fortan sol auf den Dörfern und Kirchmessen (Kirmes), Lobenbiern (Richtfesten), Brauwirtschaften (Hochzeiten),

Kindtaufen und anderen Zusammenkünften kein fremd Bier getrunken werden, sondern dasselbe aus unseren Städten geholt werden. Zum letzten sol auch in den Krügen kein fremd Bier zu schenken seyen".

  • 1. März 1596

Unerlaubter Ausschank von Bier und Branntwein Strafe von 20 Thalern

In den Vogerichtsprotokollen der Vogtei Oerlinchusen ist am 1. Mär6 1596 erwähnt, dass der Müller zum Vogelsange einen neuen Krug zu verschiedenen Zeiten "angeschlagen" hatte, was ihm eine Strafe von 20 Thalern verboten wrden war. Für die damakige Zeit war das kein Pappenstiel, kostet doch ein Fohlen 7 Thaler.

Das Urteil des Vogerichtes war gnädig, es sagt nur:

"soll Abtrag machen in Gnaden".

Das heißt wohl, dass er die verwirkte Strafe von 20 Thalern in Raten abtragen konnte.

(Staatsarchiv Detmold L 89 Al Nr. 207)

  • 30. Juli 1596

Brief vom "Möller zum Vogelsange" an die Gräfliche Regierung mit der Bitte um Genehmigung einer Krugwirtschaft.

Es wurde ihm aufgegeben nachzuweisen wo in der Nähe Krüge sein.

"Er begründete seinen Antrag damit, daß die vorhanden Krüge, Krug zum Brinke (Lage), in Hiddentorf (Hörste),

in Orlinchusen wohl eine halbe Meile und der Krug in Hillegossen eine ganze Meile von der Osterheide entfernt lägen, und diese Krüge keinen Schaden haben würden".

( 1 Meile = 7,42 Kilometer)

  • 31. Juli 1596

Genehmigung wurde erteilt!

  • 7. September 1602

Im Vogerichtsprotokoll Vogtei Orlinchusen ist zu lesen:

"Daß sich auch im Kroge zum Vogelsange eine Schlägerei zwischen dem jungen Vogelsange, M. zum Kraj´hwinkel, Johann undt sunste zugedragen, al? dass gemelter Rickehoff von dem jungen Möller mit einer Feuerschuten ins Haupt blutig verwundet worden".

  • Möller zum Vogelsang

Im Mittelalter lebten im Gebiet "Helpup" nur Bauern, denen viel Land zugefallen war, mit ihren Köttern.

Die Bauern brachten ihr Mahlgut zum Möller Vogelsange in Wellentrup.

Jedoch wurde damals  in den umliegenden Krügen durch Ausschank von Bier und Branntwein anscheinend viel Geld verdient.

Der Müller oder Möller, wie er plattdeutsch genannt wurde, muss ein geschäftstüchtiger Mann gewesen sein, wie weitere Entwicklungen zeigen.

Der Krüger zum Vogelsange hatte neben seinem Kruge in der "Osterheide" auch Landwirtschaft. Mit seinen Pferden leistete er Fuhrleuten Vorspanndienste. Der Weg war steil, ausgefahren und steinig und die Pferde hatten Mühe die Wagen bis zum Krug  zu ziehen.

Zur Unterstützung riefen die Fuhrleute den Krüger zum Vogelsange

mit seinen Pferden mit dem Ruf "Help-up" herbei.

Der Krüger spannte dann seine Pferde mit vor die Wagen und es ging leichter den Berg hinauf.

Im Laufe der Zeit bürgerte sich der Ruf "Help-up" so ein,

daß der Krüger nur noch mit dem Namen

"Helpup"

begrüßt und angesprochen wurde.

Der Uphof - Schafberg

Bauerschaft Währentrup Nr. 2

muss jedoch bei der Entstehung einer Krugwirtschaft eine wichtige Rolle gespielt haben.

In alten Dokumentationen wird unter anderem dieses Gebiet des Öfteren genannt.

Wer nun schließlich den Hof für die zukünftige Krugwirtschaft Helpup geschaffen hat und wer mit wem bei den vielen Kindern in der damaligen Zeit verheiratet war, ist in den Dokumentationen schwer erkennbar.

  • 1610

Bildung der Bauerschaftgrenzen Währentrup

Die Bauerschaft hieß bis dahin Oetinckhusen.

  • Ab 1613

ist der Krug Helpup  in der Bauerschaft Währentrup Nr. 10 gelegen.

Bestand hatte diese Gebietsreform bis zur Gemeindebildung "Helpup" am 1. April 1957.

  • 1618 - 1648

Dreißigjähriger Krieg

Während des 30-jährigen Krieges wurde geraubt und geplündert. Bürger des Landes mußten schlimme Zeiten und großen Schaden erleiden. 1642 wurden daher Bürger des Landes von allen Lasten befreit.

  • 1630

Krug uff der Osterheide

so hieß die Krugwirtschaft um 1630, da der Besitzer namentlich bekannt als "Krüger zum Vogelsange"

nicht mehr im Vogelsange lebte sondern "Krug uff der Osterheide".

  • 1637

stirbt die "Krögersche uff der Osterheide"

Im Erbteilungsverzeichnis ist zu lesen:

"Hat nichts nachgelassen"

Angeblich versteckte bzw. vergrabene Schätze wurden nie gefunden.

  • 1640

Erstmals Krug Helpup mit dem Besitzer Johan Helpup

Im Zusammenhang mit einer Schlägerei ist im Vogerichtsregister von 1640 erstmals der Name

 "Helpup"

zu lesen.

(Staatsarchiv Detmold L 89 A Nr. 5)

  • 1664

Trunksucht

Alle Anordnungen der Gräflichen Regierung die Trunksucht zu unterlassen scheinen nicht den gewünschten Erfolg

gehabt zu haben, so dass sich auch die Kirche einschaltet:

"So wird ernstlich verboten, alles Schwelgen, Fressen und Saufen, darinne ein heilloses Wesen und garstiges Sauleben zu haben, auch alle Unkeuschheit und fleischliche Unzucht, Hurerei, Ehebruch und dergleichen Schanden, wodurch das Land mit unehelichen Kindern angegfüllt wird"

  • 1668

Gesuch an den regierenden Grafen Simon Heinrich

Die Bürgermeister der Städte traten mit der Bitte, die alten Privilegien erneuern zu wollen, an den regierenden Grafen Simon Heinrich heran, welcher dem entgegenkam und die alten Privilegien auf 45 Jahre festsetzte. Diese Privilegien waren insbesondere zum Vorteil der Städte ausgelegt und zum Nachteil der Schmiede, Bäcker, Schlächter, Schuster auf dem Lande. Der Schuster auf dem Lande durfte nur Schuhflickerei betreiben. Bier durfte nur noch in den Städten gebraut werden. Damit durfte auch der Krug zu Helpup diese 45 Jahre  nicht mehr brauen. In den Städten des Landes kostet ein Mass Bier (das war etwa 1 Liter) 4 Pfennig und auf dem Lande wegen des Transports 5 Pfennig.

  • 1702

Zugriff Meier zu Barkhausen

Die Kammergewerbeakten vom 15.02.1702 enthalten die Nachricht, dass Johann Heinrich Helpup als Stiefvater des Anerben die Regierung bittet, ihren alten freien Krug, bei der gegenwärtigen schlechten Nahrung, da dann und wann Reisende etwas Bier ausgeschenkt wird, gegen den Zugriff des Meiers zu Barkhausen, der dem Krug eine Last von zwei Talern wegen Branntweinzapfens auferlegen will, in Schutz zu nehmen.

Der Zugriff blieb jedoch ohne Erfolg!

  • 1756

Beginn Siebenjähriger Krieg

Besonders schlimme Zeiten mußte der Krüger wie auch die Bauern und Bürger des Landes  während des Krieges

durchmachen. Sie mußten Fuhren leisten, Pferde abliefern, Knechte und Nahrungsmittel abliefern, Vieh zum Abschlachten sowie manche Plünderung und Drangsalierung erleiden.

Fremde "Soldateska"

haben währen des 7-jährigen Krieges des Öfteren auf der Deele im Krug Helpup getobt. Die Vogerichtsakten berichten immer wieder von derben Feiern und Schlägereien.

Durch die Wirren des Krieges kam es bei vielen Bürger, ähnlich wie im 30-jährigen Krieg, zum Verfall von Sittlichkeit und Moral durch Vollsäuferei und Unzucht.

  • 17. März 1767

Verordnung wegen Vollsäuferei

Um diesem verderblichen ungeheuren Übel und Unwesen entgegenzuwirken, wurden drastische Strafen angedroht. Wer diese Ermahnungen missachtete, sollte als Verschärfung "bei Wasser und Brod" ins Gefängnis gesteckt und "bei noch nicht verspürter Besserung auf einem Sonntag an den Pfahl"

gestellt werden. Wenn auch "dieses nicht fruchten will" sol galt es,

"selbiger samt einem umständlichen Bericht zum Zuchthaus einschikken".

Bei vielen Bürgern schien die

"Liebe  zum Alkohol stärker gewesen als die Furcht vor Bestrafung".

  • 1780 - Bessere Zeiten

Besitztum Nr. 10 des Krügers Helpup

Dem Krüger ging es langsam besser. Sein Besitztum war sehr umfangreich.

Das Saalbuch von 1780 besagt Nr. 10 Helpup besitzt:

(die Flächenmaße liegen noch vor)

Gebäude - Wohnhaus - Leibzucht

Hofraum und Hude

Gärten und Ländereien auf dem Kamp an der Westerheide, auf dem Stukenlande, dem mittelsten Stukenlande,

auf dem Korten Lande, in der Osterheyde einen Teil eines alten Weges, Wiesen im Kamp, in der Osterheyde.

Eine erbliche Kruggerechtigkeit.

"Prästiert" (hat Abgaben zu entrichten) der Landesherrschaft:

den Petrieschatz 13 Sgr. 7 Pfg. und 1 Krugthaler für die Kruggerechtigkeit im Brauen und Brennen und solches im Haus zu versellen. Dem Küster die Pflicht... sowie kleinere Verpflichtungen von einigen Bauern in Form von Geld, Haustieren bzw. Naturalien.

  • 1789

Erhöhung der jährlichen Steuer

Die Freiheit von allen möglichen Lasten, mit denen damals so viele Städte belegt waren, hat nicht für immer bestanden. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts erhob die Regierung von dem Bier- und Branntweinausschank eine jährliche Steuer von 7 Thalern, die 1789 auf 10 Thaler erhöht wurde.

1864 wurden 10 Thaler-Gold in 11 Thaler-Courant umgerechnet.

  • 1829 / 1830

Neubau Fachwerkbau Währentrup Nr. 10   "Krugwirtschaft Alter Krug"

Mit dem Privileg "Kruggerechtigkeit" wurde die Grundlage für die zukünftige Krugwirtschaft geschaffen!

Ein Fachwerkbau unter einem Krüppelwalmdach mit zwei Deelentoren jeweils zur Westseite und Ostseite.

Auf der Deele konnte durch die Luke Heu und Stroh auf den Dachboden gereicht werden.

Kauffahrer konnten ihre Pferde, Wagen und Ware auf der Deele mit Ställen unterbringen und selbst ihr Quartier

im Stroh herrichten.

Im Torbogen stehen die Worte:

ANNO 1829 LIESSEN DIESEN BAU ANFANGEN:

FRIEDRICH AUGUST HELPUP UND FRAU HANIA ALTHOFS

AUS KACHTENHAUSEN 

DURCH BEIDE IM JAHRE 1830 FORTGESETZT BIS ZUM JULI

WO DER TOD SIE TRENNTE:

BEENDIGT AM 3.TEN AUGUST DURCH DEN ZURÜCKGEBLIEBENEN WITWER:

"DIE WEGE DES HERRN SIND WUNDERBARLICH

ICH HOFFE ER FÜHRT ES ZUM BESTEN HINAUS"

M. S. M. Strate

 

Karl August Helpup

(Sohn des Erbauers des Fachwerkbau`s)

ist am 8. Oktober 1821 noch im alten Haus geboren.

Er war der letzte Wirt mit dem Namen Helpup.

Seine Tochter Juliane Emilie Helpup heiratete 1878 Franz Hermann Waldhecker aus Patthorst/Halle.

 

  • 1878

Durch die Einheirat in die Krugwirtschaft und durch den Verzicht der Brüder Albrecht und Gustav Helpup,

wurde 1878 Franz Hermann Waldhecker Eigentümer

der Besitzung Bauerschaft Währentrup Nr. 10

(Die Bilder hängen  im Eingangsbereich Alter Krug.)

  • 1878

Generationswechsel Epoche Helpup - Epoche Waldhecker

Dr. med. Albrecht Helpup

ließ sich als Augenarzt in Bielefeld nieder. Unabhängig davon wurde die familiäre Zusammengehörigkeit

bis in die Ära Bärbel Rettig (geb. Waldhecker) gepflegt. Zahlreiche Möbel aus der damaligen Zeit prägen bis in die heutige Epoche die Senioren-Residenz im Fachwerkbau.

 

Gustav Helpup cand.Phil.

zeichnete, musizierte und unterrichtete an der Rectorschule in Oerlinghausen. Aus seiner Hand stammt 1895

das erste Werbeblatt von Oerlinghausen.

1906 schrieb Gustav Helpup zur Grundsteinlegung der Kirche zu Helpup ein Gedicht.

(Der Text liegt noch vor)

Neubau Gebäudetrakt

Zu Beginn der Ära von Franz Hermann Waldhecker erfolgte der Anbau eines großen Gebäudetraktes mit einem großen Saal, Scheune für Kutschwagen und Pferde.

Auf der Gartenseite der Saalfläche wurde als Neuheit für Helpup eine Kegelbahn eingerichtet. Auf dem etwas gewölbten ca. 20 Meter langen Bahnbrettern rollten die schweren unterschiedlich großen Kegelkugeln ins Ziel.

Für den Rücktransport diente ein holzverkleideter Hohlraum in der Außenwand.

(Bahnbretter, Kegelkugeln und Holzkegel sind noch vorhanden)

Krugwirtschaft Alter Krug im Strukturwandel

Die großen  Investitionen und Schaffung einer neuen Grundstruktur  von Franz Hermann Waldhecker

waren für eine nachhaltige sowie wirtschaftliche Entwicklung der Krugwirtschaft und Helpup von großer Bedeutung.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte fanden im Saal bis 1977 eine Vielfalt von Ereignissen und Veranstaltungen statt, insbesondere große Bauernbälle.

Wirtschaftsfaktor "Helpup" - Wirtschaft und Gesellschaft

  • 1904

Bahnhof Helpup Bahnhstrecke Hameln - Bielefeld

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung für das Gebiet Helpup war 1904 die Fertigstellung der Bahnstrecke

Hameln - Bielefeld.

Anfangs trug der Bahnhof den Namen Kachtenhausen. Auf Anregung von Hermann Waldhecker wurde der Bahnhof umbenannt in "Bahnhof Helpup".

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© August Rettig